Ausbauhaus: Welche Gewerke Bauherren selbst vergeben müssen und wie sie die richtigen Handwerker finden

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Bild: Envato Elements, fokkebok

Ein Ausbauhaus ist für viele Baufamilien eine schöne Möglichkeit, mit einem etwas kleineren Budget ins eigene Haus zu ziehen. Der Hersteller errichtet dabei die wetterfeste Gebäudehülle und der weitere Ausbau liegt anschließend bei den Bauherren. Das spart zwar Geld, erfordert allerdings auch einiges an Organisation, denn für jeden Arbeitsschritt im Innenausbau ist am Ende jemand zuständig, der ihn ausführt. Das sind nicht in jedem Fall die Bauherren selbst.

Was liefert der Hersteller beim Ausbauhaus mit?

Wie weit die Leistung des Herstellers reicht, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. In der Regel umfasst ein Ausbauhaus die tragenden Wände, das gedeckte Dach sowie Fenster und Haustür, wobei manche Hersteller zusätzlich das Material für den Innenausbau in passenden Mengen liefern oder sogar technikfertige Varianten mit Heizung und Vorinstallationen anbieten. Unter den Ausbaustufen beim Fertighaus liegt das Ausbauhaus damit zwischen dem Bausatzhaus und dem schlüsselfertigen Haus. Verbindlich ist am Ende allerdings nur, was in der Bauleistungsbeschreibung steht und alles, was dort fehlt, übernehmen die Bauherren selbst oder vergeben es an Handwerksbetriebe.

Empfehlenswert ist es daher, die Baubeschreibung Zeile für Zeile durchzugehen und jede Position zu markieren, die nicht enthalten ist. Daraus ergibt sich zugleich die Liste der Gewerke, die noch vergeben werden müssen.

Welche Gewerke müssen beim Ausbauhaus an Fachbetriebe gehen?

Einige Arbeiten dürfen Bauherren nicht selbst erledigen, bei anderen ist ein Fachbetrieb dringend zu empfehlen, auch wenn sie handwerklich geschickt sind. Das betrifft vor allem die Haustechnik und damit jene Bereiche, in denen Fehler teuer oder gefährlich werden.

  • Die Elektroinstallation darf laut § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung nur ein Betrieb ausführen, der im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen ist.
  • Für Arbeiten am Gas- und Trinkwassernetz gilt ebenfalls eine solche Eintragung beim jeweiligen Versorger als Voraussetzung.
  • Die Heizungsanlage samt Inbetriebnahme gehört in die Hände eines Installateur- und Heizungsbauers, bei Kamin oder Kaminofen nimmt zusätzlich der Schornsteinfeger die Anlage ab.
  • Auch der Estrich ist bei Fachleuten besser aufgehoben, denn Fehler bei Dämmung, Dicke oder Trocknung zeigen sich oft erst unter dem fertigen Boden.

Bei der Elektrik sind Eigenleistungen allerdings nicht ganz ausgeschlossen, denn viele Betriebe überlassen Bauherren nach vorheriger Absprache einfache Vorarbeiten bei der Elektroinstallation wie Schlitze stemmen, Dosen setzen oder Leerrohre verlegen. Anschluss, Absicherung und Inbetriebnahme bleiben aber in jedem Fall Sache der Fachkraft.

Seit 2020 gilt für Fliesen-, Estrich- und Parkettleger wieder die Meisterpflicht. Betriebe in diesen Gewerken müssen also in der Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen sein, die im Zweifel Auskunft dazu gibt. Für Bauherren, die selbst fliesen oder Parkett verlegen, gilt das nicht – die Meisterpflicht betrifft nur die Betriebe, die sie beauftragen.

Wie finden Bauherren die richtigen Handwerker für ihr Ausbauhaus?

Am Anfang steht die Frage, wo überhaupt gesucht werden soll. Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis sind zwar hilfreich, reichen beim Ausbau mehrerer Gewerke aber meist nicht aus. Über spezialisierte Fachportale lassen sich hingegen regionale Handwerksbetriebe nach Gewerk finden und ihre Leistungen in Ruhe vergleichen. Daneben nennen auch die Handwerkskammer oder die örtliche Innung Betriebe aus der Region. Bei der Auswahl helfen einige Prüfpunkte:

  • Eintrag in die Handwerksrolle oder ins Installateurverzeichnis
  • Referenzen aus ähnlichen Projekten, am besten aus der Region
  • schriftliches Angebot mit Leistungsverzeichnis statt Pauschalbetrag
  • Erfahrung mit Ausbauhäusern und mit Bauherren, die selbst mitarbeiten
  • bestehende Betriebshaftpflichtversicherung

Für jedes Gewerk sind idealerweise drei Angebote einzuholen, wobei auf vergleichbare Positionen zu achten ist, denn ein günstiger Preis sagt wenig aus, wenn Material oder Nebenarbeiten fehlen. Dazu gehört außerdem ein schriftlicher Vertrag mit festen Terminen, Zahlungsplan und Regelungen zur Gewährleistung, wobei die Verjährungsfrist für Mängel am Bauwerk bei Bauverträgen nach BGB in der Regel fünf Jahre beträgt.

Welche Arbeiten eignen sich für die Eigenleistung?

Bei Malerarbeiten, Tapeten, Bodenbelägen oder Innentüren übernehmen viele Baufamilien die Arbeiten selbst und auch Trockenbau oder die Dämmung im Dachgeschoss sind mit etwas Erfahrung machbar. Realistisch eingeschätzt werden sollte dabei allerdings vor allem die verfügbare Zeit, denn ein Feierabend reicht meist für eine Wand und nur selten für einen ganzen Raum. Wie viel sich mit Eigenleistung beim Hausbau sparen lässt, hängt daher stark davon ab, wie viele freie Stunden neben Beruf und Familie übrig bleiben.

Helfen Freunde, Nachbarn oder Verwandte mit, ist das Bauvorhaben innerhalb einer Woche nach Beginn der Arbeiten bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft anzumelden. Das gilt auch dann, wenn die Helfer unentgeltlich mitarbeiten, ausgenommen sind lediglich kurze Gefälligkeiten.

In welcher Reihenfolge kommen die Gewerke ins Haus?

Beim Ausbau baut ein Schritt auf dem anderen auf, weshalb die gesamte Baustelle stillsteht, wenn ein Gewerk zu spät kommt. Bewährt hat sich daher ungefähr diese Abfolge.

  1. 1. Rohinstallation für Elektro, Sanitär und Heizung
  2. 2. Innenputz oder Trockenbau
  3. 3. Estrich, bei Fußbodenheizung nach dem Verlegen der Heizschleifen
  4. 4. Fliesen in Bad und Küche
  5. 5. Malerarbeiten
  6. 6. Bodenbeläge und Innentüren
  7. 7. Endmontage von Steckdosen, Schaltern und Sanitärobjekten

Wie behalten Bauherren bei vielen Gewerken den Überblick?

Beim Ausbauhaus übernehmen Bauherren die Aufgaben einer Bauleitung, stimmen also Termine ab, kontrollieren die Arbeiten und nehmen jedes Gewerk einzeln ab. Mängel gehören dabei immer schriftlich ins Abnahmeprotokoll, denn nach der Abnahme liegt die Beweislast beim Bauherrn und später entdeckte Baumängel lassen sich dann nur noch schwer nachweisen. Fehlt die nötige Erfahrung, ist eine unabhängige Baubegleitung eine gute Unterstützung, denn ein Sachverständiger prüft die Baustelle zu festen Terminen und entdeckt Fehler, bevor sie hinter Putz oder Fliesen verschwinden.

Hilfreich sind außerdem Fotos von jeder Wand, bevor sie verputzt oder verkleidet wird. So ist später genau nachvollziehbar, wo Leitungen und Rohre verlaufen.

Wie gelingt der Ausbau ohne unerwartete Probleme?

Der Erfolg eines Ausbauhauses hängt vor allem von der Vorbereitung ab. Früh geklärt sein sollte deshalb, welche Leistungen der Hersteller übernimmt, welche Gewerke zwingend an Fachbetriebe gehen und welche Arbeiten die Bauherren selbst übernehmen möchten. Werden zudem rechtzeitig die passenden Handwerker gesucht, Angebote in Ruhe verglichen und genug Puffer für Trocknungszeiten eingeplant, entsteht aus der Gebäudehülle Schritt für Schritt ein fertiges Zuhause, das am Ende weniger gekostet hat als ein schlüsselfertiges Haus.