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Im Keller wohnen: Das Untergeschoss als Wohnebene

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Bild: Envato Elements, PiixelThing

Steht das Haus, ist ein nachträglicher Kellerbau unmöglich. Wenn die finanziellen Mittel vorhanden sind, sollte daher am besten über einen Wohnkeller nachgedacht werden. So gewinnt das Haus wirklich an Mehrwert: Das Untergeschoss ist optimal und flexibel nutzbar. Worauf du zum Beispiel in Sachen Belichtung, Wärmeschutz und Heizung achten musst, wenn du oder ein Teil der Hausbewohner im Keller wohnen sollen, liest du in diesem Ratgeber.

Das spricht für den Keller

Die Investition in einen Keller lohnt sich grundsätzlich immer. Einzige Ausnahme sind besonders schwierige Bodenverhältnisse. So mancher ist wegen der auf den ersten Blick hohen Zusatzkosten von etwa 50.000 Euro vom Bau eines Kellers abgeschreckt. Zu bedenken ist aber: Ein etwa gleich großes Stockwerk über der Erde ist deutlich teurer. Und: Der Verzicht auf einen Keller ist eine endgültige Entscheidung.

So geht‘s: gemütlich im Keller wohnen

Soll der Keller als Wohnraum dienen, müssen baurechtliche Vorschriften, wie beispielsweise mindestens 2,20 Meter Raumhöhe, erfüllt werden. Diese Höhe muss nach Estrichverlegung, Bodenbelag und abgehängter Decke übrig bleiben. Beachte zudem, dass die Kellerräume die vorgegebene Höhe für Wohnräume der jeweiligen Landesbauordnung haben – nicht nur dann, wenn das Untergeschoss später als Einliegerwohnung vermietet werden soll. Denn zehn Zentimeter mehr „Luft“ schaffen ein völlig anderes Raumgefühl, auch wenn die Zimmer nur gelegentlich für Hobby, Gäste oder Fitness genutzt werden.

Was die Möglichkeiten der Belichtung angeht, haben Bauleute viele Freiheiten. Am Hang können normale Fenster oder Fenstertüren eingesetzt werden. Doch auch in einem Keller unter der Erde, für den also eine Grube ausgehoben werden muss, kann attraktiver Wohnraum entstehen. Ausgebaggerte Vorhöfe, moderne Lichtschächte oder hoch liegende Fensterbänder holen dann die Sonne ins Innere des Untergeschosses. Gerade spezialisierte Beton-Fertigkeller-Hersteller bieten hier viele innovative Bauelemente.

Auch hier gibt es Vorgaben, die du einhalten musst. Denn große Fenster sind in den Landesbauordnungen vorgeschrieben: Mindestens zehn Prozent der Kellergrundfläche müssen auf die Fenster entfallen. Häuser in Hanglage haben den Vorteil, dass ihre Front auf der Talseite aus der Erde herausragt und so viel natürliches Licht durch Fenster und Eingangstüren nach innen gelangt. Ergänzt um eine geschickt geplante Innenbeleuchtung ist auch bei ungünstigeren Raumverhältnissen von Kellerambiente nichts mehr zu spüren.

Was ist ein Hochkeller?

Bei einem ebenerdigen Grundstück bietet sich die Möglichkeit, einen Hochkeller zu bauen. Ein solches Kellermodell ragt etwa einen Meter aus dem Boden heraus. Durch diesen architektonischen Kniff können im Untergeschoss herkömmliche Fenster verbaut werden.

Weiterer Pluspunkt: Die Kosten für Aushub, Erdabfuhr und Deponie verringern sich. Allerdings muss der Bebauungsplan einen Hochkeller erlauben. Ist dies nicht der Fall, können die Bauherren auf diversen Wegen Licht ins Untergeschoss bringen. Entsprechender Platz vorausgesetzt, lassen sich Lichthöfe ausbaggern. Lichtschächte und Fensterbänder sind weitere Möglichkeiten für Helligkeit in den unterirdischen Räumen.

Möbel in warmen Tönen werten dunkle Räume genauso auf wie helle Farbtöne für Wand und Boden: Weiß, Beige oder Gelb und helle Blautöne haben zudem die Eigenschaft, Räume großzügiger wirken zu lassen.

Im Untergeschoss sind unterschiedliche Heizsysteme denkbar. Beheizt wird der Wohnkeller entweder über herkömmliche Heizkörper. Manche Kellerhersteller bieten auch komplett vorgefertigte Boden-, Wand-, oder Deckenelemente mit integrierten Heiz- und Kühlsystemen, ähnlich einer Fußbodenheizung. Diese Heizsysteme werden mit dem Heizkonzept des „Rest“-Hauses abgestimmt.

Bauqualität und Anpassung ans Haus

Ein Keller kann aus Ziegel- oder anderen Steinen gemauert oder vor Ort geschalt und ausbetoniert werden. Allerdings weist der Verband privater Bauherren darauf hin, dass fast 90 Prozent solcher Keller Mängel aufweisen oder es Probleme an den Schnittstellen zwischen Keller und Haus gibt. Fachleute raten darum zum Bau eines Beton-Fertigteilkellers, auch wenn die Kosten hier in der Regel etwas höher sind. Während ein gemauerter Keller vergleichsweise viel Aufbauzeit in Anspruch nimmt, ist der Fertigkeller nach wenigen Tagen bei nahezu jeder Witterung aufgebaut. Insbesondere in den Wintermonaten ist dieser Umstand ein Segen für den Bauablauf.

Ähnlich wie die Holzkonstruktion für das Fertighaus werden die Betonelemente hierbei in der Fabrik computergesteuert und millimetergenau vorgefertigt und dann auf der Baustelle passgenau zusammengefügt. Damit sämtliche Anschlüsse und Schnittstellen ineinander übergreifen, werden auf der Baustelle die zweischaligen Bauelemente mit Ortbeton vergossen. Leerrohre und Vorinstallationen sind bereits im Werk in die Wände eingelassen worden, und die schalungsglatten Innenflächen der Betonfertigkeller können dann nach dem Verspachteln direkt (auch in Eigenleistung) gestrichen werden.

Keine Angriffspunkte für Feuchtigkeit

Nicht nur die schnellere Bauzeit ist ein Argument für ein Untergeschoss aus Einzelelementen: Da die Fugen bei den mit hoher Pass- und Maßgenauigkeit gefertigten Betonteilen auf ein Minimum reduziert werden, kann Feuchtigkeit nicht von außen eindringen. Wasserundurchlässiger Beton (WU-Beton) verstärkt den Nässeschutz der Fertigelemente weiter.

Wärme- und Tauwasserschutz, kombiniert mit einer Abdichtung, sind weitere Voraussetzungen für den Wohnkeller. Beim Wärmeschutz gelten für den beheizten Keller im Grunde die gleichen Vorgaben wie für das Wohnhaus, wenngleich diese für die Bauteile unter der Erde nicht ganz so streng sind. Prinzipiell gilt aber, Haus und Keller als Gesamtobjekt zu betrachten und gleichmäßig gut zu dämmen. Es ist wenig sinnvoll, ein extrem wärmegedämmtes Haus mit einem schwach gedämmten Keller zu bauen. Zwar sind mit entsprechender Haustechnik sämtliche Vorschriften rechnerisch zu erfüllen, aber in der Praxis würde wertvolle Heizenergie vergeudet werden.

Im Kellerbereich gibt es grundsätzlich drei unterschiedliche Dämmlösungen: die Außendämmung (Perimeterdämmung), die Innendämmung und bei Beton-Fertigteilkellern die sogenannte Kerndämmung im Inneren der Wand. Vorteil der beiden letztgenannten Varianten ist, dass die Dämmung vor Beschädigungen und Feuchte aus dem Erdreich geschützt ist.

Je nach Dämm- und damit Wandstärke der Haus- und Kelleraußenwände kann es Schwierigkeiten geben, diese in Sachen Statik und Bündigkeit passend aufeinanderzusetzen. Dies ist in aller Regel kein Problem, wenn die Hausbaufirma Haus und Keller „aus einer Hand“ anbietet. Bei Fertighausfirmen wie Fingerhaus, Schwörer und Weberhaus hat sich dieses bewährt. Sicherheit bieten den Bauleuten, die sich für einen Keller entscheiden, auch feste Kooperationen von Fertighaus- und Fertigkellerbauern.

Praxisbeispiel: Der Keller als Wohnebene

Keller können natürlich als Lagerräume oder als Aufstellungsort für die Haus- und Heiztechnik genutzt werden. Teure Grundstückspreise sprechen aber mit dafür, den Keller bewohnbar zu machen. Gerade bei einem Bauplatz in Hanglage ist zu einem Keller zu raten: Der Aufwand und die Kosten für das Anfüllen der Bodenplatte sind relativ hoch, die Kosten für einen Keller im Verhältnis dazu gering.

Wie gut ein Wohnkeller funktioniert, zeigt das Beispiel einer Bauherrenfamilie. Vor den Toren Berlins, auf einem traumhaften Grundstück direkt an der Havel, verwirklichten sie sich ihren Traum vom eigenen Haus. Sie fanden das passende Grundstück ruhig im Grünen gelegen, dennoch bestens ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden sowie mit guter örtlicher Infrastruktur. Das Highlight: Das Hanggrundstück grenzt direkt ans Wasser und bietet einen unverbaubaren, idyllischen Ausblick.

Als die Bauherrenfamilie beschloss, sich dauerhaft niederzulassen, waren die beiden Söhne bereits im Teenie-Alter. So war es den Eltern schon bei der Planung ihres neuen Hauses klar, dass die Jungs in einigen Jahren den heimischen Herd verlassen würden. Das neue Domizil sollte daher für das spätere Wohnen zu zweit nicht zu groß sein, aber dennoch für die verbleibende gemeinsame Zeit allen vier Familienmitgliedern den gewünschten Wohnkomfort und Freiraum bieten.

Allerdings war in der Nachbarschaft nur eine zweigeschossige Bauweise zugelassen. Um den Platzbedarf der vier Familienmitglieder unter das neue Dach zu bringen und weil die Hanglage es praktisch aufdrängte, war schnell klar, dass ein Teil der Familie im Keller wohnen wird. Entsprechend sollte das Haus durch einen Wohnkeller ergänzt werden. „Unsere Kinder sind in einem Alter, in dem sie nicht mehr mit den Eltern Tag für Tag aufeinander hocken wollen. Ich selbst benötige ein ruhiges Arbeitszimmer, da ich zu Hause arbeite. Mein Mann, der in der Forschung tätig ist, beansprucht für sich ebenfalls eines“, erzählt die Bauherrin.

Cleverer Grundriss mit Keller als Wohnbereich

So entwickelten sie zusammen mit der Architektin Maret Riemer einen Grundriss, der ihren Ansprüchen gerecht wurde und das im Keller wohnen möglich machte. Die Planerin entwickelte ein sehr kompaktes Haus mit rund 200 Quadratmetern Wohnfläche. Die privaten Räumlichkeiten für die Eltern und die halbwüchsigen Söhne trennte sie dabei: Die Eltern erhielten ihren eigenen, ruhigen Bereich mit Schlafzimmer, Bad, zwei Arbeitszimmern und großer Dachterrasse im Obergeschoss. Die Jungs ihre Zimmer mit eigenem Bad ganz unten im Wohnkeller.

Alle Wohnräume orientieren sich zur wunderschönen Aussicht – auch die Zimmer der Söhne im Untergeschoss. Dieses wurde zur Hälfte in den Hang gebaut. Die andere Hälfte, in der heute die Kinderzimmer, der Eingangsbereich sowie das Bad und ein Abstellraum untergebracht sind, steht frei und bietet dank hervorragender Dämmung und der großen Fenster zur schönen Aussicht hin denselben Wohnkomfort wie die oberen Geschosse. In der Mitte, dem Eingangsgeschoss, befinden sich die von allen Familienmitgliedern gemeinschaftlich genutzten Räume: Eine Bibliothek, ein gemütliches Wohnzimmer sowie der große, offene Koch- und Essbereich, der durch eine üppig bemessene Terrasse nach außen erweitert wird.

Im Keller wohnen Wohnzimmer Envato elements pro_creator
So lässt es sich gemütlich im Keller wohnen. Bild: Envato elements, pro_creator

Flexibel für alle Fälle

Die von den Bauherren gewünschte Flexibilität für künftige Nutzungsänderungen bietet ihnen der Keller. Wenn die Jungs flügge geworden sind, möchten sich die Eltern wohnlich auf die beiden oberen Etagen beschränken und den Keller vermieten. Das Untergeschoss verfügt über einen separaten Eingang und in der großzügig bemessenen Eingangsdiele sind bereits die Anschlüsse für eine Küche vorgerüstet. Durch das Einziehen einer einzigen Wand hier eine separate, gemütliche Zwei-Zimmer-Wohnung entstehen. „Der Bereich ist damit so separiert, dass ich entweder meine Mutter mit ins Haus nehmen oder aber ein Fremdmieter in Ruhe sein Zuhause genießen kann“, resümiert die Bauherrin sehr zufrieden mit ihrem neuen Zuhause und der Option, jemanden im Keller wohnen zu lassen.

Fazit: Im Keller wohnen

Den Keller als zusätzlichen Wohnraum nutzen: ja oder nein? Diese Frage stellen sich viele Bauherren und schrecken oft vor vermeintlich hohen Kosten für das zusätzliche Geschoss zurück. Geht man bei einem durchschnittlichen Haus von rund 50.000 Euro Zusatzkosten für ein Wohnkellergeschoss aus, ist die entstehende Wohnfläche dafür aber noch relativ günstig. Ein Stockwerk über der Erde ist dagegen bei gleicher Größe deutlich teurer und nachrüsten lässt sich ein Keller nie. Mit ausreichend Licht, Luft und Wärme kann man zudem gemütlich im Keller wohnen. Konkret heißt das: mit möglichst vielen Fensterflächen, einer erhöhten lichten Raumhöhe und ausreichende eingeplanter Wärmedämmung steht dem Projekt im Keller wohnen nichts entgegen.