Ein Hausdach hat als schützende Abdeckung eine wichtige Aufgabe und prägt zudem das Gesamterscheinungsbild des Hauses. Neben der Optik sind aber auch ökologische Aspekte – und hierbei ganz besonders die Energieeffizienz – entscheidend. Mit Photovoltaik- und Solaranlage trägt das Dach auch aktiv zur Energieversorgung bei.
Seien es neue Ziegel- und Dachstein-Modelle, moderne Farbvarianten oder Sonderausführungen: Die Auswahl an individuellen Dachgestaltungen wird immer größer. Doch nicht jede Dachdeckung passt zu jeder Dachform und auch in die Umgebung soll sich das Hausdach harmonisch einfügen. Manche Gemeinden schreiben deshalb sogar erlaubte Farben und Ziegel in ihren Bebauungsplänen fest. Eine Anfrage beim Stadtplaner ist also in jedem Falle angeraten. Und unter Umständen kann die Region, in der ein Haus steht, die Materialwahl mitbestimmen. Denn das Hausdach muss überall sämtlichen Witterungsbedingungen der wechselnden Jahreszeiten standhalten – sei es Wind, Sturm, Hagel oder Schnee. Je nach Intensität der Einflüsse steigt auch die Bedeutung von Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit der Eindeckungs-Produkte.
Das Thema Dämmung spielt bei der Planung eines neuen Daches eine besonders wichtige Rolle. Denn daran entscheidet sich, wie energieeffizient das Haus in den kommenden Jahrzehnten ist. Ein gut gedämmtes Hausdach kann zwischen 10 und 20 Prozent Energie einsparen. Eine Einsparung, die sich nicht nur am Ende des Jahres im Geldbeutel deutlich bemerkbar macht.
Drei verschiedene Dämmvarianten für das Hausdach
Erwärmte Luft steigt grundsätzlich nach oben – ist das Hausdach nur unzureichend oder gar nicht gedämmt, gehen so über 20 Prozent der produzierten Wärme ungenutzt verloren. Ein gut gedämmtes Hausdach hingegen reduziert den Wärme- und damit den Energieverlust gegenüber einem nicht gedämmten Hausdach gleich um bis zu 75 Prozent. Was viele nicht wissen: In der Regel amortisieren sich die Materialkosten bereits nach wenigen Jahren. Und auch die Umwelt dankt: Schließlich senkt der geringere Energieverbrauch den CO2-Ausstoß. Wichtig ist es aber, sich für eine möglichst effiziente Dämmvariante zu entscheiden.
Bei der Dämmung unterscheidet man generell folgende Varianten: Auf-, Zwischen- und Untersparrendämmung. Während die erste Form der Dämmung oberhalb der Dachsparren und von außen angebracht ist, wird die Dämmung bei der Zwischen- bzw. Untersparrendämmung in der Regel von innen montiert, und zwar entweder zwischen oder unter den Sparren, also den von der Traufe zum First laufenden Balken bzw. Trägern des Dachstuhls.
So unterscheiden sich Dachziegel und Dachstein
Die gängigsten Materialien zur Dacheindeckung sind Dachziegel und -steine. Beide gibt es in unterschiedlichen Farben, und beide sind eher schlicht und funktional. Sie werden vor allem bei traditionellen Dachformen wie dem Satteldach eingesetzt. Umgangssprachlich werden Dachziegel und -steine selten unterschieden. Doch genau genommen handelt es sich bei Dachziegeln um reinrassige Produkte aus gebranntem Ton. Dachsteine sind den Ziegeln in Form, Farbe und Anwendung sehr ähnlich, werden aber aus Beton hergestellt. Hier ermöglichen moderne Beschichtungsverfahren eine Vielzahl von Farbvarianten. Die aus Zement, Wasser und quarzhaltigem Sand bestehenden Betonsteine sind wie ihre „Zwillinge” aus Ton formgenau und langlebig. Das Öko-Institut in Freiburg spricht den Dachsteinen im Vergleich zu Ziegeln übrigens eine etwas bessere Öko-Bilanz zu.
Dachziegel erhalten zum Beispiel durch spezielle Engoben (Tonschlämme, die durch das Brennen mit dem Ziegel unlösbar verbunden sind) oder Glasuren ihre Farbe. Diese Oberflächenbearbeitung schützt vor schädlichen Umwelteinflüssen wie saurer Regen oder UV-Strahlung. Engoben geben den Dachziegeln abriebfeste Farben. Die Ziegel bleiben dabei diffusionsoffen und werden zudem widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse. Glasierte Ziegel können zum Beispiel eine Lösung sein, um der Dachverschmutzung durch Algen, Flechten und Moos vorzubeugen. Allerdings ist die Zahl der Freunde solcher Beschichtungen, die in manchen Baugebieten sogar verboten sind, eher begrenzt.
Eine Alternative können Dacheindeckungen mit selbstreinigenden Oberflächen, ähnlich wie man das von Gläsern kennt, sein. Außerdem gibt es spezielle Beschichtungen, bei denen Schadstoffe aus der Luft zersetzt und durch den Regen abgewaschen werden.
Mediterrane Dachgestaltung: Hausdächer mit südländischem Flair
Ganz besonders im Trend liegt derzeit die mediterrane Architektur. Warme, natürliche Farben und flach geneigte, rustikale Ziegeldächer bestimmen das charakteristische Bild solcher Dächer im südländischen Stil. Die Farbpalette reicht dabei von Ziegelrot über braune und sandige Töne bis hin zu hellen Zieg elfarben mit Kohlebrandeffekten.
Wer mit einem Hausdach im mediterranen Stil liebäugelt, davor aber zurückschreckt, weil die flach geneigten Dächer besonders sturmgefährdet sind, kann zum Beispiel mediterran gestaltete Dachziegel inklusive Sturmsicherung eindecken lassen.
Weil flach geneigte Dächer bei Baufamilien immer beliebter werden, hat die Industrie auf die verstärkte Nachfrage reagiert und die früher eher problematischen Ziegeleindeckungen bei Dachneigungen unter 20 Grad möglich gemacht. So gibt es zum Beispiel in der Verfalzung veränderte Flachdachziegel, die bei diesen Dächern selbst in niederschlagsreichen Regionen zuverlässig schützen.
Große Ziegel-Formate sorgen für ruhige Optik
Nicht nur bezüglich Farben und Materialeigenschaften, auch in Form und Größe optimieren die Hersteller ihre Produkte ständig nach den Wünschen der Baufamilien. Es werden zum Beispiel neue Größen angeboten, bei denen statt der üblichen 13 bis 18 Stück pro Quadratmeter nur noch sechs bis zehn Stück notwendig sind. Für diese größeren Formate eignen sich vor allem große, unzerteilte Dachflächen, wo sie für ruhige Optik sorgen.
Dezent, strukturiert und gradlinig modern wird das Äußere des Dachs durch die Verwendung von Flachziegeln. Leicht geneigte Flachziegel sorgen dafür, dass die Dachfläche nicht wie eine platte Fliesenfläche aussieht. Mit integrierter Sturmsicherung sind auch diese Dachziegel selbst in den windigsten Regionen einsetzbar. Ausgesprochen sturmfest sind auch Schiefereindeckungen. Das Sedimentgestein aus besonders feinem Tonschlamm zeichnet sich außerdem durch seine natürliche Oberflächenstruktur und Bearbeitbarkeit aus. Da sich das Gestein leicht spalten und somit passgenau herstellen lässt, ist es besonders geeignet für Rundungen und architektonisch anspruchsvolle oder organische Formen. So bietet Schiefer eine homogene Optik in zahlreichen Deckungen.
Indach-Photovoltaik und neue Dachsteine für besseres Wohnklima
Auch die Eindeckung spielt bei der Energiebilanz eine Rolle. Neue Dachsteine reflektieren mit speziellen Pigmenten in der Oberfläche bis zu 300 Prozent mehr Infrarotstrahlen als herkömmliche Dachsteine und Ziegel. Das wirkt sich positiv auf das Wohnraumklima aus: Je nach Dachaufbau reduziert sich die Innentemperatur um bis zu zwei Grad. Sommerhitze bleibt draußen, der Energieverbrauch für die Klimatisierung sinkt, was Geld spart und die Umwelt schont.
Doch ein Hausdach kann noch mehr: Ganzheitlich betrachtet, ist es eine brachliegende Nutzfläche, die sich zur Gewinnung von Sonnenenergie einsetzen lässt. Sogar im nicht gerade sonnenreichen Deutschland können Haubesitzer die unerschöpfliche Energiequelle der Sonne für sich nutzen.
Die auf das Dach einwirkende Sonnenenergie kann mit Solarkollektoren für Heizung und Warmwasser nutzbar gemacht, durch Photovoltaik in Strom umgewandelt werden. Waren früher sogenannte Aufdach-Solarkollektoren üblich, werden bei modernen Neubauten eher Indach-Solarmodule bevorzugt. Auch komplette Indachsysteme und reine Solardächer gibt es heute. Alle Komponenten, Solarkollektoren, Photovoltaik-Module und Wohndachfenster, zeichnen sich hier durch ihre superflache Aufbauhöhe aus und sind durch ihre einheitliche Größe frei kombinierbar. Spezielle Eindeckrahmen und Passstücke decken Kabelführung und Rohre vollständig ab.
Indachanlagen sind sicherer – und schöner
Neben der Ästhetik sprechen zusätzliche Sicherheit und Dichtigkeit gegen die bisher meist verwendeten Aufdachanlagen. Sie werden mit Montageschienen und sogenannten Dachhaken auf der vorhandenen Dacheindeckung installiert und die dafür notwendigen Dachdurchdringungen können zu Undichtigkeiten führen. Zudem sind die Anlagen Witterungs- und Umwelteinflüssen schutzloser ausgesetzt, Wind greift unter die Elemente und erzeugt Sog-Wirkungen, die das System instabil machen. Durch die Integration ins Hausdach werden weder die Dachhaut noch das Dach selbst beschädigt – zudem werden die Kosten für die Ziegeleindeckung gespart
Dachdämmung schützt auch vor Feuchtigkeit
Um ein gutes Wohnraumklima unter dem Hausdach herzustellen, bedarf es allerdings noch mehr als einer optimalen Dacheindeckung: Hier spielen die richtige Dämmung und qualitativ hochwertige Dachwohnfenster mit passender Verschattung ebenso eine Rolle, damit im Winter die Wärme im Raum und im Sommer die Hitze draußen bleibt. Die Dämmung sorgt zudem dafür, dass keine Feuchtigkeit in die Bausubstanz dringt und Schimmelbildung vermieden wird. Sind Eindeckung, Dämmung und Dachfenster optimal ausgeführt, bleiben auch die Energiekosten niedriger.
Dacheindeckung – nur vom Handwerker
Egal ob Schiefer, Titanzink, Gründach, Dachziegel oder -steine: Diese natürlichen Baustoffe sind nicht only zuverlässiger Wetterschutz, sondern erfüllen auch ökologische Aspekte und stehen für Nachhaltigkeit. Allerdings sollten alle Arbeiten am Hausdach dem Fachhandel oder Dachdecker überlassen werden. Schon aus Gründen der Gewährleistung empfiehlt es sich, hier nicht auf den Handwerker zu verzichten.



